3 Zu-Fälle | viele Löffel

3 Zu-Fälle | viele Löffel

In der Zeit vom 15. bis 29. Juli 2021 bleibt die Galerie geschlossen.

Ich bin dann mal weg – aber eigentlich bin ich nur wie immer auf meinem Weg. Auf dem Weg zu neuen Inspirationen und fremden Ufern. Wie gerne lasse ich mich im Leben und bei meiner Arbeit vom Zufall leiten. Dinge und Menschen kommen und gehen. Und es ist gut, wenn man sich diesem Fluss hingeben kann. Eine wunderbare abenteuerliche Reise, wenn man offen ist für den Wandel.

1. Zufall:  Wie einige von Ihnen vielleicht bereits mitbekommen haben beschäftigen sich meine Gedanken und Hände schon lange mit dem Thema Löffel. Was im Privaten mit Geschenken für meinen Liebsten begann, hat Begehrlichkeiten bei den Kunden geweckt, die mir bei der Fertigung über die Schulter schauen konnten. Ich freue mich sehr über diese neuen Grenzgebiete – geht doch das Schmieden von Löffeln in einen dem Goldschmied zwar benachbarten aber doch fremden Beruf über, nämlich den des Silberschmiedens.
2. Zufall: Hinzu kam ein Kunde, der mir das mit handgravierten Monogrammen versehene Familienbesteck seiner Großeltern auf den Tisch legte. Er wollte es veräußern. Da schlug natürlich mein Herz für alte Dinge und Erinnerungen gleich höher. Ich wollte einige dieser Löffel retten und fing an mit ein paar von ihnen zu spielen. Fristeten diese einstigen Gebrauchsgegenstände ihr Dasein in Schubladen, erweckte ich sie wieder zu neuem Leben indem ich sie zu kleinen Individualisten machte. Es entstanden Ringe, Broschen, aber auch Seifenblasenpusteringe, kunstvolle Siebe und „Fastenlöffel“. Und wenn es eben geht wird alles verwertet. Nichts soll verloren gehen – „nur“ verwandelt.
3. Zufall:  Doch die Reise geht noch weiter und führt mich bald nach Zürich zu einer begnadeten Künstlerin, die eigentlich aus dem benachbarten Bocholt stammt. Verrückt. Meine liebe Freundin und Schmuckdesignerin/-Künstlerin Gabriele Hinze aus Berlin kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte an einem Löffelworkshop in Zürich teilzunehmen. Was für ein ZU-FALL. Natürlich habe ich Lust.
http://www.gabrielehinze.de
 
Nun werde ich am kommenden Wochenende in Zürich sein und an einen Löffel-Workshop von Simone ten Hompel teilnehmen und schauen wohin mich die Reise führt. Ich bin gespannt, was entstehen wird: ein Schutz-Löffel, ein Ufer-Löffel, ein Zufallslöffel oder ein Löffel der Freiheit.
https://www.tenhompel.com
https://www.tenhompel.com/the-story-beginns.html
Aber keine Sorgen meiner Leidenschaft zum Schmuck bleibe ich natürlich treu. Die Grenzen sind eh fließend.



Und denken Sie daran, was Mary Poppins einst gesagt hat:
„Oft genügt ein Löffel Zucker und was bitter ist, wird süß.“

PHOENIX-RING | mein Beitrag zu MANUFACTUM NRW 2021

PHOENIX-RING | mein Beitrag zu MANUFACTUM NRW 2021

Da ich den Staatspreis für den Bereich Schmuck im Jahr 2019 gewonnen habe, ist mir in den nächsten 10 Jahren lediglich eine Teilnahme aber keine Auszeichnung möglich. Es freut mich dennoch sehr, dass mein Beitrag für den Staatspreis Manufactum NRW 2021 von der Jury für die diesjährige Ausstellung angenommen wurde.
Die Ausstellung findet im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund statt. Die eingereichten Möbel, Skulpturen, Schmuck- und Kleidungsstücke sowie Wohnaccessoires werden dort vom 10. April bis zum 27. Juni 2021 gezeigt.

Die feierliche Eröffnung und Auszeichnung der Staatspreisträger erfolgt im Konzerthaus Dortmund durch Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, am 24. April 2021 von 11 bis ca. 13 Uhr. Anschließend wrd es einen Empfang im Museum für Kunst und Kulturgeschichte geben. Die persönliche Einladung erfolgt durch das Landesministerium.

Ich bin schon sehr gespannt auf die diesjährige Ausstellung, die immer einen lohnenden Einblick in eine Fülle kreativer Ideen und beeindruckender freier künstlerischer Arbeiten zeigt. Diese Bandbreite macht den Reiz der zeitgenössischen Ausstellung aus. Sie dient aber auch als Plattform für den Austausch mit anderen Kreativen.

Wer sich vorab informieren möchte:
https://m.facebook.com/staatspreismanufactum/
https://www.instagram.com/staatspreis.manufactum/

 

 

 

PHOENIX-RING | Kundenstimme | Von Industriekultur zur Kulturindustrie

PHOENIX-RING | Kundenstimme | Von Industriekultur zur Kulturindustrie

Es freut mich besonders, wenn sich verschiedene Themenbereiche meiner Schmuckprojekte vermischen, verbinden und dabei etwas ganz Neues entsteht.
Dieses passiert in manchen Fällen nicht unbedingt durch mich selbst, sondern wenn ein Kunde mit einem besonderen Anliegen auf mich zukommt. So wie in diesem Fall.  Claudia Fischer aus Essen fragte mich, ob ich aus dem Trauring ihrer Großmutter einen Phoenix-Ring machen könnte.

Warum nicht? Derartige Anfragen fordern mich als Künstlerin, Designerin und Goldschmiedin heraus. Sie sind spannend und reizen mich.  Meine Neugier als Künstlerin war also geweckt. Ich fragte mich, welche Intention Frau Fischer damit verfolgt. Wie kommt es zu dieser gedanklichen Verbindung? Welchen Bezug hat sie zum Ruhrgebiet, zum Hochofenwerk Phoenix West …? Welche Verbindung zu ihrer Großmutter? … und so weiter. Ich lerne so viel dabei … über die Menschen, ihre Wurzeln, ihr Wollen und ihr Tun – all das kann wieder in weitere Arbeiten einfließen. Die Handwerkerin in mir wurde gefordert, da ich bei diesem Auftrag meine entwickelte und erprobte Arbeitsweise wahrscheinlich nicht anwenden konnte. Normaler Weise fertige ich den Ring aus einer kreisrunden Scheibe aus Silber und Feingold (siehe Foto). Wie kann ich nun den Ring aus einem Trauring fertigen? Wird das Gold des Trauringes ausreichen?  Spannend.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Claudia Fischer bereit war, etwas über ihre Intention zu diesem Ring zu schreiben. Da sie selber kreativ tätig ist und mit ihren Arbeiten an einer Vielzahl von Märkten und Ausstellungen in geschichtsträchtigen Industriedenkmälern teilgenommen hat, spannt sich hier für sie der Bogen zu dem Phoenix-Ring.

„Second
life für einen Ring
Die alten Industrieanlagen des Ruhrgebietes sind mit der Region fest verknüpft und mittlerweile gute Beispiele für Strukturwandel und Transformation von Industriekultur zu Kulturindustrie.  Zwischen Tradition und Moderne haben sich unter anderem Kunst und Designausstellungen fest etabliert. Genau diese Tradition und Moderne, Erbstück und Fundstück, machen die Faszination dieser Skulptur an der Hand aus. So entstand aus dem alten Ehering meiner Großmutter, einem Eisenerzpellet und aktueller Goldschmiedekunst mein Phoenix Ring.“ Claudia Fischer

 

Wer mehr über die Arbeit von Claudia Fischer erfahren möchte:
http://filzpunkt.net/galerie

 

Adolf 18.2.50 / 27.2.2019

Adolf 18.2.50 / 27.2.2019

Ein weiterer Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Natürlich und leider ist dieser Name aufgrund unserer deutschen Geschichte negativ behaftet. Man fragt sich, ob er damals schätzungsweise in den 30er Jahren einer der beliebtesten Namen war oder wurde. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Ich will jedoch meiner neuen Arbeit , den alten Gravur-Namen geben und so an das vergangene Leben erinnern.
Adolf wiegt 4,8 Gramm und ist aus 585/ooo Gelbgold. Er ist 4,7 mm breit und 2,5 mm stark. Seine Größe beträgt #58.

Aus diesem Trauring ist etwas völlig Neues und Wandelbares entstanden. Ich habe den Ring seiner Funktion entbunden und ihm eine neue gegeben. Es ist eine Brosche entstanden. Entfernt man die Nadel, dann kann man das Schmuckstück auch als Schmuckanhänger an einer Kette tragen. Ins Innere des Ringes habe ich einen silbernen Ring gelötet, der wie ein Schatten in diesem ruht.

Ruth 6.4.1957 / 26.2.2019

Ruth 6.4.1957 / 26.2.2019

Ein weiterer Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Ruth wiegt 5,25 Gramm und ist aus 585/ooo Gelbgold. Sie ist 5 mm breit und 1,5 mm stark. Ihre Größe beträgt #64.

Der Name Ruth kommt von dem hebräischen Wort re’ut (רְעוּת) was Freund, Begleiter, Freundschaft bedeutet. Dieser Mädchenname war Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt, wurde allerdings aufgrund seiner jüdischen Herkunft im dritten Reich verboten.

Die Beschäftigung mit dem Namen im Ring, der diesen erst einzigartig macht, war nicht unbedingt geplant, aber beeinflusst durchaus meine Arbeit. Manchmal wie in diesem Fall inspiriert er mich sogar.
So wollte ich hier etwas Schlichtes, Feines und Einfaches gestalten.