Adolf 18.2.50 / 27.2.2019

Adolf 18.2.50 / 27.2.2019

Ein weiterer Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Natürlich und leider ist dieser Name aufgrund unserer deutschen Geschichte negativ behaftet. Man fragt sich, ob er damals schätzungsweise in den 30er Jahren einer der beliebtesten Namen war oder wurde. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Ich will jedoch meiner neuen Arbeit , den alten Gravur-Namen geben und so an das vergangene Leben erinnern.
Adolf wiegt 4,8 Gramm und ist aus 585/ooo Gelbgold. Er ist 4,7 mm breit und 2,5 mm stark. Seine Größe beträgt #58.

Aus diesem Trauring ist etwas völlig Neues und Wandelbares entstanden. Ich habe den Ring seiner Funktion entbunden und ihm eine neue gegeben. Es ist eine Brosche entstanden. Entfernt man die Nadel, dann kann man das Schmuckstück auch als Schmuckanhänger an einer Kette tragen. Ins Innere des Ringes habe ich einen silbernen Ring gelötet, der wie ein Schatten in diesem ruht.

Ruth 6.4.1957 / 26.2.2019

Ruth 6.4.1957 / 26.2.2019

Ein weiterer Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Ruth wiegt 5,25 Gramm und ist aus 585/ooo Gelbgold. Sie ist 5 mm breit und 1,5 mm stark. Ihre Größe beträgt #64.

Der Name Ruth kommt von dem hebräischen Wort re’ut (רְעוּת) was Freund, Begleiter, Freundschaft bedeutet. Dieser Mädchenname war Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt, wurde allerdings aufgrund seiner jüdischen Herkunft im dritten Reich verboten.

Die Beschäftigung mit dem Namen im Ring, der diesen erst einzigartig macht, war nicht unbedingt geplant, aber beeinflusst durchaus meine Arbeit. Manchmal wie in diesem Fall inspiriert er mich sogar.
So wollte ich hier etwas Schlichtes, Feines und Einfaches gestalten.

Archäologie der Erinnerung

Archäologie der Erinnerung

Mein Arbeitsmaterial für die nächsten Wochen. Mein Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
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Ein Haufen alter Trauringe liegt vor mir. Ich habe sie bei einem Goldankäufer erworben. Ein kleiner Teil stammt auch von Kunden. Ein edler Alltagsgegenstand, der biografisch aufgeladen ist und Geschichten erahnen lässt. Ein Zeuge vergangenen Lebens. Immer schon habe ich Spuren vergangenen Lebens gesucht und so fühlt sich dieses Projekt mehr als stimmig für mich an. Ich stehe ehrfürchtig vor 22 Ringen, denen ich neues Leben einhauchen möchte. Mich interessieren die Gravuren – bei den meisten kann man von Handgravuren ausgehen. Die älteste Gravur stammt von 1924, die jüngste von 1993. Was ist wohl aus den Paaren geworden? Warum haben die letzten Besitzer diese abgegeben, verkauft? Brauchten sie das Geld oder hatten sie keinen Bezug zu den Ringen? Bei dem Ring jüngeren Datums kann aber auch der Tod des Ehepartners oder eine Trennung zu Grunde liegen. Wir werden es nie erfahren.
In gewisser Weise habe ich sie vor dem Einschmelzen der totalen Anonymisierung bewahrt. Was bleibt und was wird, das werden wir sehen.