Fotoshooting in einer Zeche | 18.05.2019

Fotoshooting in einer Zeche | 18.05.2019

Lang ist es her, dass ich das letzte mal etwas in den Blog geschrieben habe. Dabei ist soviel passiert.
Die letzten 6 Wochen vor Abgabe meiner Wettbewerbsarbeit für den Staatspreis NRW galten dem Werktisch, meiner Präsenz hinter der Kamera und letzen Endes der Präsentation.
Ein wunderbares Fotoshooting in der Zeche Schlägel und Eisen krönte meine Arbeit.
Es war wirklich wie ein Wunder, wie sich auf einmal innerhalb von 4 Tagen dieser besondere Ort und diese lebendigen Models und ein Profifotograf auftaten. Ein gutes Zeichen.

Es war das erste mal, dass ich meinen Schmuck an Menschen fotografiert habe.
Bis dato habe ich es immer vermieden, weil ich glaubte, dass man damit das Schmuckstück zu sehr mit einen bestimmten Typen verbindet und somit andere ausgrenzt.
Diesmal wollte ich unter anderem genau damit spielen. Ich wollte mit folgenden Erwartungen brechen, mit denen ich so oft in meiner Galerie konfrontiert bin.
Ein Medallion kann nur einer Frau tragen.
Eine Brosche kenne ich nur von meiner Oma. Broschen trage ich nicht.
Eine Kette hängt man sich um den Hals.

Statt dessen wollte ich zeigen, dass auch ein Mann Halsschmuck tragen kann. Eine Kette wie eine Umhängetasche diagonal den Körper schmückt und eine Brosche längst kein altmodischer Oma-Schmuck sein muss.

Ich danke euch allen, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.
Sandra, Cordula mit dem reizenden Frido, der für ein Eis so super vor der Kamera posiert hat.
Michael, mit seiner herzlichen und lebendigen Art.
Björn Verch von der kreativkaue – einen besseren Fotograf hätte mir der Himmel für dieses sensible Projekt nicht schicken können.
Andreas Weidner, der so lieb war, uns die Weiskaue für einen ganzen Nachmittag zur Verfügung zu stellen. Der Raum passte so wunderbar zu meinem Schmuck. Ein Raum voller Ketten und Gefäßen.
Und ich danke der lieben Petra Degging für ihr Allround-Talent als Netzwerkerin, Organisatorin, Schneiderin, Ideengeberin, Modell, Ratgeberin und Seelsorgerin in schwachen Momenten.

Ich werde diesen Tag und die schönen Bilder und Momente nie vergessen.

 

Modell 270 / heute ein Gefäß

Modell 270 / heute ein Gefäß

Diese Arbeit ist eine Fortsetzung oder Weiterentwicklung meiner Arbeit vom 24.02.2019
https://www.andrea-schmidt-anders.de/ein-ring-ein-gefaess/

Zum Kreieren/Machen und zum Prozess:
Meine Idee bei dieser Arbeit ist es, den Trauring in eine Halbschale aus Feinsilber zu prägen, um ein bleibendes Zitat seiner Existenz zu erzeugen. Größe und ein Teil der Form wird so für immer verewigt. Dabei entsteht eine Standfläche, die an den Boden einer Tasse erinnert. Nun kann diese Halbschale stehen.
Wenn ich solch eine Arbeit beginne ist selten klar, was es wird. Eine Brosche, ein Schmuckanhänger oder oder oder … Das macht die  Spannung und manchmal auch Anstrengung bei solchen Prozessen aus.
Das entstandene Gefäß mit seinem unebenen Rand rührt mich und ich beschließe – auch wenn ich eigentlich Schmuck mache wollte – es bei diesem Gefäß zu belassen, indem ich ihm seinen hohen Rand lasse.
Ich teile den Trauring und löte einen Teil in seinen Grund. Die andere Trauringhälfte schmiede ich größer und fertige einen klassichen Goldrand für dieses kleine Gefäß. Die halbrunde Aussparung unter dem Goldrand zitiert auch noch einmal die Ringgröße des ursprünglichen Traurings.

Zur Funktion/Deutung:
Es ist „zwar“ ein Gefäß entstanden, was mich optisch anrührt, aber ich spüre auch wie sehr es mich irritiert.
Ich bin von anderen Gefäßen einen glatten Rand gewöhnt, der parallell zur Standfäche verläuft. Ein Henkel gibt mir normaler Weise vor, wo ich die Tasse packen kann. Wie soll ich dieses Gefäß fassen? Wenn ich daraus trinke, wo sollen meine Lippen ansetzen? Der schräge Rand und das halbrunde Loch am Rand bieten die Gefahr, dass Flüßigkeit herausschwappen könnte.
Die Größe dieses Behälters erinnert an eine japanischen Teeschale. Irgendwie hab ich das Gefühl, wenn wenig Flüssigkeit eingefült wird, dann handelt es sich um eine ganz besondere Flüssigkeit.
Durch die Schwarzfärbung im Inneren will ich dieses Ungleichgewicht deutlich machen und betonen.
Es verlangt mir also etwas Aufmerksamkeit ab, wenn ich diese Schale wirklich als Trinkgefäß nutzen will. Es zwingt mich zur Ruhe und zur Konzentration.