WDR Lokalzeit Dortmund _ Juhu ich komme ins Fernseh.

WDR Lokalzeit Dortmund _ Juhu ich komme ins Fernseh.

Heute war ein aufregender Tag. Die Lokalzeit Dortmund war da. Es hat große Freude gemacht mit dem Team von Olaf Tack zu drehen und hinter die Kulissen zu schauen. Ein wahnsinniger Aufwand für einen 3 bis 4 Minuten Feature – dabei war das nur der Dreh. Hinzu kommt ja schließlich auch noch der Schnitt. Ich bin beeindruckt.
Eine Kamera hat mir in der Werkstatt dabei über die Schulter geschaut, wie ein Trauring in eine Schale aus Feinsilber geprägt wird – für alle Ewigkeit. Wir alle waren Feuer und Flamme.

Ich danke auch meiner Kundin Petra Decking, die so wunderbar von der Umarbeitung des Schwiegermutter-Rings berichtet hat, den sie nun in aller Ehre bei sich tragen kann. Ein berührender Ein- und Rückblick.

Ich bin sehr gespannt auf den Beitrag und kann es kaum abwarten.

GEWONNEN – STAATSPREIS NRW 2019

GEWONNEN – STAATSPREIS NRW 2019

Ich möchte mich bei allen Daumen-Drückern, Mitfieberern, Anteilnehmern, Gratulanten, bei allen, die an mich geglaubt haben und mich auf meinem Weg unterstützt haben ganz herzlich bedanken.

Als Handwerkerin, Goldschmiedin und Designerin ist man in der heutigen Zeit doch eher ein Exot und es gibt nur wenige Nischen, in die man wirklich gut hinein passt. Dabei den eigenen Weg finden, gehen und dabei bleiben ist oft nicht leicht – macht aber auch unendlich viel Sinn und tut letzten Endes gut.

Um so mehr freue ich mich über diese öffentliche Anerkennung durch das Land NRW, die Jury von Gut Rosenberg und durch ein nunmehr breiteres Publikum. Ich hoffe, dass dadurch erneut ein Augenmerk auf all die besonderen Künstler und Designer fällt, die jenseits von Mainstream, Modetrends und Massenproduktion ihren eigenen leideschaftlichen Weg gehen und so Großartiges und Einzigartiges schaffen. Es gibt viele davon, aber man muss sie manchmal etwas suchen und entdecken.
Ich freue mich sehr und bin so dankbar.

Finden kann man derzeit 128 davon im Museum für angewandte Kunst in Köln.
Was sonst meist nur hinter Werkstatt und Galerietüren verborgen liegt, kann nun hier bestaunt werden.

 

 Möbel: Hans Paul Pümpel, Aachen – https://www.hwk-aachen.de/presse-medien/news/artikel/news/detail/News/staatspreis-nrw.html
Skulpturen: Claudia Merx, Aachen – https://claudiamerx.de/
Schmuck: ich
Kleidung & Textil: Veronika Moos, Bergisch- Galdbach – http://www.veronika-moos.de/
Medien: Dirk Krüll, Düsseldorf – https://dirk-kruell.de/
Wohnen: Maria Wieding-Kalz, Rosendahl-Holtwick – https://www.mhw-keramik-wieding.de/

Fotoshooting in einer Zeche | 18.05.2019

Fotoshooting in einer Zeche | 18.05.2019

Lang ist es her, dass ich das letzte mal etwas in den Blog geschrieben habe. Dabei ist soviel passiert.
Die letzten 6 Wochen vor Abgabe meiner Wettbewerbsarbeit für den Staatspreis NRW galten dem Werktisch, meiner Präsenz hinter der Kamera und letzen Endes der Präsentation.
Ein wunderbares Fotoshooting in der Zeche Schlägel und Eisen krönte meine Arbeit.
Es war wirklich wie ein Wunder, wie sich auf einmal innerhalb von 4 Tagen dieser besondere Ort und diese lebendigen Models und ein Profifotograf auftaten. Ein gutes Zeichen.

Es war das erste mal, dass ich meinen Schmuck an Menschen fotografiert habe.
Bis dato habe ich es immer vermieden, weil ich glaubte, dass man damit das Schmuckstück zu sehr mit einen bestimmten Typen verbindet und somit andere ausgrenzt.
Diesmal wollte ich unter anderem genau damit spielen. Ich wollte mit folgenden Erwartungen brechen, mit denen ich so oft in meiner Galerie konfrontiert bin.
Ein Medallion kann nur einer Frau tragen.
Eine Brosche kenne ich nur von meiner Oma. Broschen trage ich nicht.
Eine Kette hängt man sich um den Hals.

Statt dessen wollte ich zeigen, dass auch ein Mann Halsschmuck tragen kann. Eine Kette wie eine Umhängetasche diagonal den Körper schmückt und eine Brosche längst kein altmodischer Oma-Schmuck sein muss.

Ich danke euch allen, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.
Sandra, Cordula mit dem reizenden Frido, der für ein Eis so super vor der Kamera posiert hat.
Michael, mit seiner herzlichen und lebendigen Art.
Björn Verch von der kreativkaue – einen besseren Fotograf hätte mir der Himmel für dieses sensible Projekt nicht schicken können.
Andreas Weidner, der so lieb war, uns die Weiskaue für einen ganzen Nachmittag zur Verfügung zu stellen. Der Raum passte so wunderbar zu meinem Schmuck. Ein Raum voller Ketten und Gefäßen.
Und ich danke der lieben Petra Degging für ihr Allround-Talent als Netzwerkerin, Organisatorin, Schneiderin, Ideengeberin, Modell, Ratgeberin und Seelsorgerin in schwachen Momenten.

Ich werde diesen Tag und die schönen Bilder und Momente nie vergessen.

 

Modell 270 / heute ein Gefäß

Modell 270 / heute ein Gefäß

Diese Arbeit ist eine Fortsetzung oder Weiterentwicklung meiner Arbeit vom 24.02.2019
https://www.andrea-schmidt-anders.de/ein-ring-ein-gefaess/

Zum Kreieren/Machen und zum Prozess:
Meine Idee bei dieser Arbeit ist es, den Trauring in eine Halbschale aus Feinsilber zu prägen, um ein bleibendes Zitat seiner Existenz zu erzeugen. Größe und ein Teil der Form wird so für immer verewigt. Dabei entsteht eine Standfläche, die an den Boden einer Tasse erinnert. Nun kann diese Halbschale stehen.
Wenn ich solch eine Arbeit beginne ist selten klar, was es wird. Eine Brosche, ein Schmuckanhänger oder oder oder … Das macht die  Spannung und manchmal auch Anstrengung bei solchen Prozessen aus.
Das entstandene Gefäß mit seinem unebenen Rand rührt mich und ich beschließe – auch wenn ich eigentlich Schmuck mache wollte – es bei diesem Gefäß zu belassen, indem ich ihm seinen hohen Rand lasse.
Ich teile den Trauring und löte einen Teil in seinen Grund. Die andere Trauringhälfte schmiede ich größer und fertige einen klassichen Goldrand für dieses kleine Gefäß. Die halbrunde Aussparung unter dem Goldrand zitiert auch noch einmal die Ringgröße des ursprünglichen Traurings.

Zur Funktion/Deutung:
Es ist „zwar“ ein Gefäß entstanden, was mich optisch anrührt, aber ich spüre auch wie sehr es mich irritiert.
Ich bin von anderen Gefäßen einen glatten Rand gewöhnt, der parallell zur Standfäche verläuft. Ein Henkel gibt mir normaler Weise vor, wo ich die Tasse packen kann. Wie soll ich dieses Gefäß fassen? Wenn ich daraus trinke, wo sollen meine Lippen ansetzen? Der schräge Rand und das halbrunde Loch am Rand bieten die Gefahr, dass Flüßigkeit herausschwappen könnte.
Die Größe dieses Behälters erinnert an eine japanischen Teeschale. Irgendwie hab ich das Gefühl, wenn wenig Flüssigkeit eingefült wird, dann handelt es sich um eine ganz besondere Flüssigkeit.
Durch die Schwarzfärbung im Inneren will ich dieses Ungleichgewicht deutlich machen und betonen.
Es verlangt mir also etwas Aufmerksamkeit ab, wenn ich diese Schale wirklich als Trinkgefäß nutzen will. Es zwingt mich zur Ruhe und zur Konzentration.

Prägung mit Nadel und Faden

Prägung mit Nadel und Faden

Meine Mutter ist Schneiderin. Ich bin zwischen Schnittmusterbögen, Stoffen, Knöpfen, Nadel und Faden groß geworden. Oft saß ich auf einem Stuhl neben ihr, wenn sie für uns Kinder Sachen nähte oder Änderungsarbeiten erledigte, um die Haushaltskasse aufzubessern. Ich konnte endlos lange mit den Knöpfen spielen, diese nach Größe oder  Farbe sortieren … ich habe deren Muster bewundert, manche glitzerten, schillerten, manche waren schwer, manche ganz leicht. Ich habe meine Mutter beobachtet, wie sie die Nadeln zwischen den Lippen hielt und diese wieder wie automatisch herauszog, wenn sie eine brauchte. Das Rattern der Maschine, die schnellen Griffe nach dem Stoff, der Schere oder sonstigen Zutaten, das Lenken des Stoffes unter dem Nähmaschinenfüßchen – jeder Handgriff saß.
Ich liebe es noch heute, Menschen bei der Arbeit zuzuschauen.

Bei meiner derzeitigen, recht freien Arbeit für den Staatspreis NRW bemerke ich wie sehr mich Erlebtes, Gesehenes und Erinnerungen, wie diese an meine Kindheit beeinflussen.
Ich arbeite häufig intuitiv, lasse mich Schritt für Schritt durch die Arbeit leiten beobachte, was entstanden ist, spüre in mich hinein, spiele mit den Formen – ähnlich wie früher mit den Knöpfen.
Da bemerke ich zum Beispiel, wie sehr es mich anrührt, den goldenen Trauring in dieser Mulde liegen zu sehen – als hätte er ein Zuhause gefunden. Es ist eine Augenweide entstanden, die ich nicht mehr zerstören möchte.
Ich merke wie mir beide Seiten gleichermaßen gefallen und ich sie immer wieder hin und her drehen möchte. Also steht schnell fest, dass es keine Brosche werden kann, bei der ich ein Vorne definieren müsste.
Der Ring soll dort bleiben, aber irgendetwas sagt mir, dass ich ihn dort nicht für alle Ewigkeiten fixieren darf. Ich muss also mein Terrain verlassen, wenn ich ihn nicht festlöten möchte. Und da liegt es doch nahe auf die Technik meiner Mutter zurückzugreifen. Und schon tauchen die faszinierenden Schnittmusterbögen meiner Kindheit vor meinem geistigen Auge auf.

Das Foto zeigt Bilder meiner Entwurfs- und Findungsphase. Es gibt noch viele Entscheidungen zu treffen und in vieles hineinzuspüren. Aber manchmal muss eine Arbeit erst ruhen, um dann nach Tagen wieder mit etwas Abstand angeschaut zu werden.

 

Spuren …

Spuren …

Nun sind sie da. Sechs alte Schaukästen für meine Wettbewerbsarbeit zum Staatspreis NRW.

Und wieder stehe ich andächtig vor einem geschichtsträchtigen Objekt und viele Fragen ploppen in mir auf.
Ich liebe deratige alte Gegenstände, die Geschcihten erzählen, wenn man sich auf sie einlässt.
Was mag da wohl drin gewesen sein?
So sah also früher der Biologie-Unterricht aus.
Oder waren es Schubladen von Sammlern?
Der ganze Kasten ist voll mit Einstichen von Stecknadeln.
Und schon bin ich versucht, die Namen der Inschriften zu googlen. Wie leicht wir es doch heute haben.
Aber ich will hier nichts vorwegnehmen. Wer selber solch ein Spurensucher ist wie ich, dem will ich die Freude des Selberentdeckens nicht nehmen.