Loslassen ist ein Prozess

Loslassen ist ein Prozess

Eheringe Erbstücke Andrea Schmidt 01

Freunde sind gestorben – der Wunsch die Verbindung und Erinnerung an das Ehepaar in besonderer Weise zum Ausdruck zu bringen wächst. Im Gespräch mit meinem Kunden entstand die einzigartige Idee für dieses besondere Lebensschmuck-Projekt.
Schmuck mit Geschichte im Wandel zu etwas Neuem. Rheingold.

Es gibt Menschen, die einen lange begleiten und ans Herz wachsen.
So meine Kunden Waltraud, Günther und Karl Heinz.
Sie waren zu dritt seit Beginn meiner Selbstständigkeit 2001 an meiner Seite.

Sie haben den Umzug von der Nordstadt in die Innenstadt und 2006 die Gründung der Schmuckgalerie an der Kleppingstrasse miterlebt. Aus einem anfänglichen Kundenkontakt entwickelte sich eine ungewöhnliche Freundschaft mit wunderbaren gemeinsamen Abenden, bei gutem Essen und Wein, gegenseitiger Neugier und einem inspirierenden gegenseitigen Austausch.

Eheringe Erbstücke Andrea Schmidt 02

Gespräche mit den Dreien haben mir manches Mal in schweren Zeiten wieder Aufwind gegeben. Obwohl Waltraud und Günther leider plötzlich gehen mussten, ist der Kontakt zwischen Karl Heinz und mir geblieben und zu meiner Überraschung lernen wir uns erst jetzt richtig kennen. Es besteht einfach ein Unterschied, ob man zu viert oder zu zweit zusammensitzt.

Goldschmiedin Andrae Schmidt Lebensschmuck 03.jpg

Das Thema LOSLASSEN ist ein zentrales Thema in unserem Leben. Es ist ein Prozess und kann nicht übers Knie gebrochen, beschleunigt oder erzwungen werden. So saßen Karl heinz und ich einige Abende zusammen, der Tisch voller Schmuckstücke, alte Erbstücke aus Waltrauds Familie, Modeschmuck, Schmuckstücke, die ich damals für sie angefertigt oder umgearbeitet habe und zudem die Trauringe von Waltraud und Günther. Geschichten wurden erzählt und Erinnerungen hingen in der Luft. Es ging darum zu sichten und zu sortieren. Was kann weg und was darf bleiben?

Schmuck einschmelzen zu Neuem Lebensschmuck 04

Und letzten Endes konzentrierten sich unsere Gedanken und Pläne auf ihre Trauringe.
Was ist damit zu tun?
Gemeinsam entwickelten wir ein paar mögliche Szenarien.
Verwandele ich die Ringe in ein tragbares Schmuckstück für Karl Heinz?

Kreativ mit Erbstücken Eheringe Andrea Schmidt Dortmund 05.jpg

Entsteht eine kleine Wandcollage, ein kleiner Erinnerungsschrein?
Verkauft er die Ringe und stiftet das Geld einem guten Zweck?
Oder werden die Ringe eingeschmolzen, damit Karl Heinz sie in den Fluss werfen kann?

Goldschmiedin kreativ individuell Lebensschmuck 06

Für Karl-Heinz zeichnete sich immer mehr ab, dass es nicht um den materiellen, sondern den ideellen und symbolischen Wert der Ringe geht und um den Prozess des Loslassens. Die Ringe sollten also dem Feuer übergeben werden und aus dem „Andrea, schmelze sie bitte für mich ein!“ wurde ein „Nein, das erleben wir gemeinsam.“

Mit Kunden neuen Schmuck gestalten Lebensschmuck 07.jpg

Es ist ein sehr archaischer Moment, wenn man Metalle einschmilzt. Es ist heiß, der Brenner ist sehr laut und unwiderruflich wurde aus zwei Ringen ein einziger rotglühender Drops.

Goldnugget Lebensschmuck Andrea Schmidt 08

Die Lebensspuren auf den Ringen sind nun für immer verschwunden.
Die individuelle Gravur in den Ringen wurde durch das Kennenlerndatum der Beiden auf dem Drop ersetzt.

Handwerkskunst Schmuck neu gestalten Andrea Schmidt 09

Bei dieser Zusammenarbeit ging es darum einen inneren Prozess materiell sichtbar zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es etwas mit uns macht, wenn wir etwas mit den Dingen tun. Wir sehen und erfahren Veränderung und letzten Endes liegt etwas Verwandeltes vor uns auf dem Tisch. Bis hierhin habe ich Karl-Heinz auf seinem Weg begleitet. Ich danke ihm für seine Offenheit und sein Vertrauen und wünsche ihm alles Gute für seinen weiteren Weg.

Individueller Schmuck aus Erbstücken Lebensschmuck 10

Hier der sehr persönliche Text von Karl-Heinz:

Rheingold

Meine besten Freunde sind gestorben. Freunde? Nein, Lebensgefährten: denn seit mehr als dreißig Jahren haben wir zusammen gelebt, Urlaube verbracht, geplant, unsere Lebensringe eng verflochten.
Vor vier Jahren starb Waltraud und dann im Juli 2017 Günther. Zurück blieb das Wissen um das Fortbestehen unserer Verbindung im spirituellen Geist; aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück blieben auch persönliche Gegenstände, die mich immer wieder an Episoden unseres Zusammenlebens erinnern und die ich einer neuen Bestimmung zuführen wollte. Und das wollte ich bald tun. Denn weiß ich, ob ich den nächsten Lebensring noch vollenden kann?

Mit Kunden Schmuck Ideen umsetzen Andrea Schmidt 11

Da sind die Eheringe von Waltraud und Günther. Was soll damit geschehen? Verkaufen und das Geld spenden? In die Gräber legen? Ganz einfach liegen lassen als Erinnerungsstücke? Was geschieht damit, wenn ich nicht mehr entscheiden kann?

Freude am gemeinsamen Projekt mit der Schmuck-Designerin Andrea Schmidt 12

Fragen, die ich meinen Freunden stellte und auch mit Pater Paul, dem Zen-Lehrer in Essen, beim Dokusan besprach.
Bereits zum Beginn der Fragestellung war es auch Andrea Schmidt, sie hat ihr Goldschmiedeatelier in der Kleppingstrasse, die einige Möglichkeiten aufzeigte. Andrea kenne ich aus den Anfängen ihres Wirkens in Dortmund, als Waltraud sie in ihrer damaligen Werkstatt in Lindenhorst aufsuchte.

Gemeinsam am Lebensschmuck arbeiten Andrea-Schmidt-Anders 13

Die Begegnungen waren sporadisch und meist Eventgebunden, doch konnte ich den Werdegang miterleben und staunte über die Selbstverständlichkeit, wie edle Metalle mit „profanen“ Werkstoffen sich verbinden ließen. Und das jetzige Atelier trägt zu recht die Vokabel „anders“ im Namen. So oft ich dort vorbei komme, bewundere ich die Schmuckstücke, die wirklich anders sind als das, was ich aus anderen Goldschmieden kenne.
Es lässt sich nicht so einfach beschreiben, aber bei mir entsteht der Eindruck, dass die Schmuckstücke bei Andrea „beseelt“ sind. Auch, dass Andrea anderen Schmuckkünstlerinnen die Gelegenheit bietet, ihre Kreationen bei ihr auszustellen, gefällt mir. Hierdurch wird die Vielfalt der künstlerischen Gestaltung im Schmuckbereich deutlich. So ist es auch mit der Präsentation der Stücke, die mit zarten Akzenten das Publikum anzusprechen sucht. Mir gefällt das.

Aus Eheringen wurde ein Nugget Erbstück Lebensschmuck 15

Ich selbst bin als Nicht-Schmuckträger für Andrea geschäftlich sicher uninteressant, freue mich aber, dass aus den anfänglich etwas scheuen Kontakten inzwischen eine Freundschaft entstanden ist, die sehr sensible Gespräche zulässt.

Andrea Schmidt Erbschmuck Eheringe Loslassen 14

Und so ist dann letztlich aus der Geschichte der beiden Ringträger dieser Entschluss entstanden: Waltraud und Günther haben sich in Mannheim kennengelernt und haben dort auch geheiratet. Waltraud ist gebürtige Mannheimerin. So lange wir uns kennen, sind Wagners Opern zum „Ring des Nibelungen“ Highlights in unserem Theaterprogramm. Beiden war das Datum des Kennenlernens, der 24.4.1965, sehr wichtig.

Schmuckstücke zur Erinnerung Lebensschmuck 16

Nun sind sie im Kosmos für immer vereint. Warum sollen die beiden Ringe dann nicht ebenso vereint werden, das heißt miteinander verschmolzen? Dies soll in Andreas’ Atelier in gemeinsamer Arbeit geschehen.
Der spätere Goldklumpen erhält als Gravur das den beiden wichtige Datum ihres Kennenlernens.
Ja, und schließlich werde ich dieses Nugget in Mannheim dem Rhein übergeben, Rheingold eben. Ich bin sicher, und das habe ich in meinen Meditationen gespürt, Waltraud und Günther sind mit diesem Tun völlig einverstanden.

Andrea Schmidt Anders Lebensschmuck Dortmund 17

Im Herbst 2018 hat Karl-Heinz das Nugget dem Rhein übergeben. Losgelassen.

Collage Rheingold Lebensschmuck Andrea Schmidt01

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

GESCHENKIDEE Lebensspirale

GESCHENKIDEE Lebensspirale

Die Lebensspirale war schon immer ein sehr schönes und persönliches Geschenk zur Geburt, zum Geburtstag oder Jubiläum.
Die kreisrunde Scheibe kann symbolisch für das Leben eines Menschen, eines Paares oder einer Familie stehen. Es kann eine Gabe zum 18ten Geburtstag sein mit rückblickenden Daten des bereits Gelebeten als auch mit einer schönen Botschaft für die Zukunft. Das Loch in der Mitte symbolisiert den Beginn eines Lebens die Geburt oder den Beginn einer großen Liebe.
Es gibt diese Spirale als Objekt für die Wand oder als Schmuckanhänger für eine Halskette.

Und das Ganze funktioniert ganz einfach:
Sie geben mit Ihre persönliche Daten und Worte und ich schicke Ihnen per Mail einen Entwurf. Nach Ihrer Freigabe fertige ich die kleine oder große Lebensspirale für Sie und sende Ihnen diese per Kurierdienst an Ihre private Adresse.

MEIN DORTMUND – „Ich bin dabei“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – Dortmund

MEIN DORTMUND – „Ich bin dabei“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – Dortmund

Ich freue mich sehr, dass das Museum für Kunst und Kulturgeschichte auf mich zu gekommen ist, ob ich bei der Austellung MEIN DORTMUND einen Beitrag mit meiner Staatspreisarbeit leisten möchte.
Ich fühle mich geehrt mit meiner zeitgenössichen Arbeit unter diesen wunderbaren historischen Stücken platziert zu sein.

Eine schöne Idee des Dortmunder Museums
unter der Patenschaft der Journalisten Hans Leyendecker:
Alt- und Neudortmunderinnen und -dortmunder, heutige und ehemalige Neubürger, Zurückgekehrte, Pendler, Reisende waren aufgefordert ihren Blick auf die Stadt zu formulieren und anhand von persönlichen Gegenstände, Bildern, Texte und Geschichten zu dokumentieren. Das konnten auf den ersten Blick ganz banale Dinge sein wie z.B. ein Satz Dessertschälchen aus Kristall, hinter denen sich eine bezaubernde Geschichte verbirgt oder die abgetragene lederne Aktentasche eines Dortmunder Psychologen, in der er tagein tagaus seinen Patientenakten mit sich herum trug. Jedes Ding eine persönliche Geschichte.
Besonders spannend finde ich, dass all diese relativ zeitgenössischen Dinge nun im Museum bei einem Rundgang in die historische Ausstellung eingeflochten werden. Neben der eigentlichen Geschichte wird einem offenbar wie sich Dinge im Wandel der Zeit verändern, manches verloren geht, manches aber auch im scheinbar neuen Kostüm daher kommt, es werden Erinnerungen wach und manch eigene Geschichten geht auf einmal mit einem durch.

Meine Arbeit hätte keinen besseren Ort finden können.Man stelle sich einen runden Raum vor, der von Vitrinen gesäumt ist. Linker Hand die Geburt, vor Kopf die Hoch-Zeit und rechter Hand der Tod. Und im Mittelpunkt als verbindendes Glied steht ein altes westfälisches Himmelbett und hinter dem Kopfende wird meine Arbeit hängen. Anders als das Bett in dem Leben beginnt, stattfindet und endet, schafft meine Arbeit eine transformierende Verbindung. Während ein Taufbecher, eine Brautkrone oder -Haube und das Kreuz statische Zustände darstellt holt meine Arbeit Erbstücke aus ihrem Sinnzusammenhang heraus und bringt sie wieder als tragbaren verwandelten Schmuckstück ins Leben zurück.

Ich freue mich sehr auf die Eröffnung am 13.03.2020 um 18 Uhr. Vielleicht sieht man sich ja da.

Nach der feierlichen Eröffnung ist es übrigens jedem kostenfrei möglich, durch die Ausstellung zu wandeln und sich von den Dortmunder Geschichten in eine andere Welt und Zeit entführen zu lassen.

Staatspreis Manufactum 2019 … eine Idee entsteht …

Staatspreis Manufactum 2019 … eine Idee entsteht …

Was wird aus der Leere inmitten eines Goldringes, wenn der Mensch darin fehlt? Es kann nicht sein, dass NICHTS daraus wird.

Der Trauring als Symbol von Unendlichkeit und Treue.

Es können die Ringe der Großeltern sein, des verstorbenen Ehepartners oder auch der Trauring nach einer Trennung. Da liegen sie nun in den Schubladen und entweder schleichen wir ehrfürchtig drum rum oder wollen nach einer Trennung nichts mehr damit zu tun haben. Ob es nun um’s Erinnern und Bewahren geht oder um’s Ignorieren und Loslassen. Was wäre, wenn wir uns mit diesem Loch, der Leere und der darum schwingenden Materie aktiv beschäftigen?