Loslassen ist ein Prozess

Loslassen ist ein Prozess

Eheringe Erbstücke Andrea Schmidt 01

Freunde sind gestorben – der Wunsch die Verbindung und Erinnerung an das Ehepaar in besonderer Weise zum Ausdruck zu bringen wächst. Im Gespräch mit meinem Kunden entstand die einzigartige Idee für dieses besondere Lebensschmuck-Projekt.
Schmuck mit Geschichte im Wandel zu etwas Neuem. Rheingold.

Es gibt Menschen, die einen lange begleiten und ans Herz wachsen.
So meine Kunden Waltraud, Günther und Karl Heinz.
Sie waren zu dritt seit Beginn meiner Selbstständigkeit 2001 an meiner Seite.

Sie haben den Umzug von der Nordstadt in die Innenstadt und 2006 die Gründung der Schmuckgalerie an der Kleppingstrasse miterlebt. Aus einem anfänglichen Kundenkontakt entwickelte sich eine ungewöhnliche Freundschaft mit wunderbaren gemeinsamen Abenden, bei gutem Essen und Wein, gegenseitiger Neugier und einem inspirierenden gegenseitigen Austausch.

Eheringe Erbstücke Andrea Schmidt 02

Gespräche mit den Dreien haben mir manches Mal in schweren Zeiten wieder Aufwind gegeben. Obwohl Waltraud und Günther leider plötzlich gehen mussten, ist der Kontakt zwischen Karl Heinz und mir geblieben und zu meiner Überraschung lernen wir uns erst jetzt richtig kennen. Es besteht einfach ein Unterschied, ob man zu viert oder zu zweit zusammensitzt.

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Das Thema LOSLASSEN ist ein zentrales Thema in unserem Leben. Es ist ein Prozess und kann nicht übers Knie gebrochen, beschleunigt oder erzwungen werden. So saßen Karl heinz und ich einige Abende zusammen, der Tisch voller Schmuckstücke, alte Erbstücke aus Waltrauds Familie, Modeschmuck, Schmuckstücke, die ich damals für sie angefertigt oder umgearbeitet habe und zudem die Trauringe von Waltraud und Günther. Geschichten wurden erzählt und Erinnerungen hingen in der Luft. Es ging darum zu sichten und zu sortieren. Was kann weg und was darf bleiben?

Schmuck einschmelzen zu Neuem Lebensschmuck 04

Und letzten Endes konzentrierten sich unsere Gedanken und Pläne auf ihre Trauringe.
Was ist damit zu tun?
Gemeinsam entwickelten wir ein paar mögliche Szenarien.
Verwandele ich die Ringe in ein tragbares Schmuckstück für Karl Heinz?

Kreativ mit Erbstücken Eheringe Andrea Schmidt Dortmund 05.jpg

Entsteht eine kleine Wandcollage, ein kleiner Erinnerungsschrein?
Verkauft er die Ringe und stiftet das Geld einem guten Zweck?
Oder werden die Ringe eingeschmolzen, damit Karl Heinz sie in den Fluss werfen kann?

Goldschmiedin kreativ individuell Lebensschmuck 06

Für Karl-Heinz zeichnete sich immer mehr ab, dass es nicht um den materiellen, sondern den ideellen und symbolischen Wert der Ringe geht und um den Prozess des Loslassens. Die Ringe sollten also dem Feuer übergeben werden und aus dem „Andrea, schmelze sie bitte für mich ein!“ wurde ein „Nein, das erleben wir gemeinsam.“

Mit Kunden neuen Schmuck gestalten Lebensschmuck 07.jpg

Es ist ein sehr archaischer Moment, wenn man Metalle einschmilzt. Es ist heiß, der Brenner ist sehr laut und unwiderruflich wurde aus zwei Ringen ein einziger rotglühender Drops.

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Die Lebensspuren auf den Ringen sind nun für immer verschwunden.
Die individuelle Gravur in den Ringen wurde durch das Kennenlerndatum der Beiden auf dem Drop ersetzt.

Handwerkskunst Schmuck neu gestalten Andrea Schmidt 09

Bei dieser Zusammenarbeit ging es darum einen inneren Prozess materiell sichtbar zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es etwas mit uns macht, wenn wir etwas mit den Dingen tun. Wir sehen und erfahren Veränderung und letzten Endes liegt etwas Verwandeltes vor uns auf dem Tisch. Bis hierhin habe ich Karl-Heinz auf seinem Weg begleitet. Ich danke ihm für seine Offenheit und sein Vertrauen und wünsche ihm alles Gute für seinen weiteren Weg.

Individueller Schmuck aus Erbstücken Lebensschmuck 10

Hier der sehr persönliche Text von Karl-Heinz:

Rheingold

Meine besten Freunde sind gestorben. Freunde? Nein, Lebensgefährten: denn seit mehr als dreißig Jahren haben wir zusammen gelebt, Urlaube verbracht, geplant, unsere Lebensringe eng verflochten.
Vor vier Jahren starb Waltraud und dann im Juli 2017 Günther. Zurück blieb das Wissen um das Fortbestehen unserer Verbindung im spirituellen Geist; aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück blieben auch persönliche Gegenstände, die mich immer wieder an Episoden unseres Zusammenlebens erinnern und die ich einer neuen Bestimmung zuführen wollte. Und das wollte ich bald tun. Denn weiß ich, ob ich den nächsten Lebensring noch vollenden kann?

Mit Kunden Schmuck Ideen umsetzen Andrea Schmidt 11

Da sind die Eheringe von Waltraud und Günther. Was soll damit geschehen? Verkaufen und das Geld spenden? In die Gräber legen? Ganz einfach liegen lassen als Erinnerungsstücke? Was geschieht damit, wenn ich nicht mehr entscheiden kann?

Freude am gemeinsamen Projekt mit der Schmuck-Designerin Andrea Schmidt 12

Fragen, die ich meinen Freunden stellte und auch mit Pater Paul, dem Zen-Lehrer in Essen, beim Dokusan besprach.
Bereits zum Beginn der Fragestellung war es auch Andrea Schmidt, sie hat ihr Goldschmiedeatelier in der Kleppingstrasse, die einige Möglichkeiten aufzeigte. Andrea kenne ich aus den Anfängen ihres Wirkens in Dortmund, als Waltraud sie in ihrer damaligen Werkstatt in Lindenhorst aufsuchte.

Gemeinsam am Lebensschmuck arbeiten Andrea-Schmidt-Anders 13

Die Begegnungen waren sporadisch und meist Eventgebunden, doch konnte ich den Werdegang miterleben und staunte über die Selbstverständlichkeit, wie edle Metalle mit „profanen“ Werkstoffen sich verbinden ließen. Und das jetzige Atelier trägt zu recht die Vokabel „anders“ im Namen. So oft ich dort vorbei komme, bewundere ich die Schmuckstücke, die wirklich anders sind als das, was ich aus anderen Goldschmieden kenne.
Es lässt sich nicht so einfach beschreiben, aber bei mir entsteht der Eindruck, dass die Schmuckstücke bei Andrea „beseelt“ sind. Auch, dass Andrea anderen Schmuckkünstlerinnen die Gelegenheit bietet, ihre Kreationen bei ihr auszustellen, gefällt mir. Hierdurch wird die Vielfalt der künstlerischen Gestaltung im Schmuckbereich deutlich. So ist es auch mit der Präsentation der Stücke, die mit zarten Akzenten das Publikum anzusprechen sucht. Mir gefällt das.

Aus Eheringen wurde ein Nugget Erbstück Lebensschmuck 15

Ich selbst bin als Nicht-Schmuckträger für Andrea geschäftlich sicher uninteressant, freue mich aber, dass aus den anfänglich etwas scheuen Kontakten inzwischen eine Freundschaft entstanden ist, die sehr sensible Gespräche zulässt.

Andrea Schmidt Erbschmuck Eheringe Loslassen 14

Und so ist dann letztlich aus der Geschichte der beiden Ringträger dieser Entschluss entstanden: Waltraud und Günther haben sich in Mannheim kennengelernt und haben dort auch geheiratet. Waltraud ist gebürtige Mannheimerin. So lange wir uns kennen, sind Wagners Opern zum „Ring des Nibelungen“ Highlights in unserem Theaterprogramm. Beiden war das Datum des Kennenlernens, der 24.4.1965, sehr wichtig.

Schmuckstücke zur Erinnerung Lebensschmuck 16

Nun sind sie im Kosmos für immer vereint. Warum sollen die beiden Ringe dann nicht ebenso vereint werden, das heißt miteinander verschmolzen? Dies soll in Andreas’ Atelier in gemeinsamer Arbeit geschehen.
Der spätere Goldklumpen erhält als Gravur das den beiden wichtige Datum ihres Kennenlernens.
Ja, und schließlich werde ich dieses Nugget in Mannheim dem Rhein übergeben, Rheingold eben. Ich bin sicher, und das habe ich in meinen Meditationen gespürt, Waltraud und Günther sind mit diesem Tun völlig einverstanden.

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Im Herbst 2018 hat Karl-Heinz das Nugget dem Rhein übergeben. Losgelassen.

Collage Rheingold Lebensschmuck Andrea Schmidt01

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Good-vibes in meiner Galerie | „Brand new day“ von und mit Andreas Oertzen

Good-vibes in meiner Galerie | „Brand new day“ von und mit Andreas Oertzen

Am 09. Juni hatte ich besondere Gäste in meiner Galerie: einen Kameramann, einen Tontechniker und den Singer- und Songwriter Andreas Oertzen. Ein kleines privates Konzert, was per Radio, youtube und diverse andere Kanäle in die Welt hinaus ziehen sollte.

Dahinter stecke eine Initiative des Qualitätsroute Dortmund und des Cityrings Dortmund, die gemeinsam ein Aktionsbündnis »Gekauft in Dortmund« gegründet haben. Ziel ist es, den individuellen Einzelhandel in unserer Stadt zu repräsentieren. Es geht darum die Vielfalt der Läden, die Aufbruchsstimmung nach dem Logdown und jede Menge positive Energien zu verbreiten. Und was könnte diese besser transportieren als Musik.

In meinen Worten: Ich finde diese Aktion an ausgewählten realen Orten mit anloger positiver Musik setzt ein Zeichen gegenüber der digitalen, synthetischen Welt des Internets und zeigt unsere Lebendigkeit – Es nutzt das digitale Medium, aber der Kern ist ein von Menschen gestalteter Raum und vom menschlichem Geist entwickelte Idee, von Talent und Disziplin und Übung. Liedtexte entstehen im Geist eines Künstlers und seine Disziplin zum Erlernen eines Instruments führt zur Profession. Aber auch der Kameramann und Tontechniker muss sein Handwerk verstehen. Die Technik, das Internet sind nur die Vehikel, die uns dienen Qualität zu transportieren und zu teilen.

Ich möchte etwas ausholen und aus dem Nähkästchen der letzten Monate plaudern. Aus meinem Erleben des Lockdowns. Kritisch habe ich die Angebote und Diskussionen der letzten Monat beobachtet. Vielen Einzelhändlern, die unter dem Logdown litten wurden zahlreiche Fördertöpfe und Couchings zum Thema „Onlineshop“ angeboten. Das ist sicherlich gut und ich bin dankbar für diese Initaitive, weil sie manch einen ins Tun brachte und hoffentlich auch hilfreich war. Wer Lust verspürt, einen Onlineshop zu gestalten, der sollte dem unbedingt nachgehen. Grundsätzlich habe ich nichts gegen einen Onlineshop, aber wir sollten uns gut überlegen, was wir dort anbieten und wie wir es tun? Wir schielen zu oft nach Begriffen wie weltweit, immer-verfügbar, immer schneller, größer, allgemeingültig. etc.  Ich glaube, dass das die falsche Richtung ist. Ich beobachte bei mir und vielen meiner Mitmenschen ein Bedürfnis nach Überschaubarkeit, Ruhe, Klein, Lokal, Besonders, Einzigartig, nach persönlicher Ansprache und Beratung. Sicherlich ist dieses vom Produkt abhängig. Druckerpatronen und bereits erprobte Produkte kann man sicherlich gut im Internet bestellen. Ist ein Onlieshop wirklich eine Sicherheit im Logdown und was geschieht danach damit? Wer pflegt den Shop und kriegt es ebenso schnell und unkomplizeirt hin wie der Kunde mittlerweile von Amaon und co gewohnt ist? Kann ich dieses leisten im logdown und was ist danach, wenn die Geschäfte wieder öffnen?
Nun bin ich vielleicht diesbezüglich etwas altmodisch und sicherlich mit meinem einzigartigen, von mir gestalteten und handgefertigten Produkten in einer priviligierten Situation. Ich liebe den Kontakt und Austausch mit meinen Kunden viel zu sehr, als dass ich mir vorstellen könnte, darauf zu verzichten. Ich brauche diesen Austausch, um Schmuckstücke auf ihre Tauglichkeit und ihr Gefallen zu überprüfen und Neue gestalten zu können und weil es mir einfach eine Menge Spass bereitet.
Bei diesen Angeboten und in diesen Diskussion fehlte mir etwas. Da jonglierten Berater, die doch eigentlich helfen wollten mit Sätzen wie „Verpassen sie nicht den Zug …“ und schüren damit nur neue Ängste und Schuldgefühle, weil man doch angeblich die letzten Jahre „gepennt“ hat. Wo bleibt da das Wissen um die Stärken und Qualitäten des Einezlhandles? Diese gilt es herauszuarbeiten und  zu stärken. Wo bleibt da das Vertrauen und der Glaube in die Bedürfnisse aller Menschen nach einem sinnlichen Erleben? Gilt es nicht eher diese Qualitäten zu stärken anstatt das Heil in einem Onlineshop zu suchen? Kein Internetshop kann leisten, was wir bieten und kein Einzelhändler kann den Kampf gegen Giganten wie Amazon, Zalando etc aufnehmen, geschweige denn gewinnen, solange er ihnen nur nacheifert. Wir sollten Ruhe bewahren und mit Bedacht unsere Energien in andere Richtungen lenken und die Zeit des logdowns nutzten, neue Kontakte zu knüpfen, Produktangebote zu überprüfen und schauen wie wir uns von der breiten Masse abheben können – kreative und vielleicht auch einmal verrückte Lösungen entwickeln. Näher zusammenrutschen, Synergien bilden etc. Auf welchen Wegen kann individuelle Beratung stattfinden? Welcher individuelle Service stellt alle Paketboten in den Schatten? Wie kann ich mich spezialisieren? Der Aufbauen und das Bedürfnis nach persönlicher Bindungen besteht nicht nur auf Seiten des Händlers, sondern auch auf Seiten der Kunden. Kein Foto transportiert einen Duft, ein Gewicht, ein Gefühl, was bei Berührung entsteht. Das Foto eines Produkts im Internet verlangt mir eine hohe Vorstellungskraft ab, wie ich mich in Relation zu diesem Produkt wahrnehme, fühle und nach außen wirke. Den Kauf erprobter Produkte kann ich im Internet endlos wiederholen. Aber wo bleibt da mein Bedürfnis nach Neuem, nach Veränderung, nach Überraschung, dem neuen Erleben? Hat es nicht einen faden Beigeschmack und manchmal auch etwas Einsames dieses Kauferlebnis durch Aufreißen eines Pakets in den eigenen gewohnten vier Wänden zu erleben? Bestenfalls habe ich in dem Moment meinen Partner oder einen gute Freundin oder einen Freund dabei. Wir wollen Erleben und teilen, oder?
Es wiederstrebte mir während das Lockdowns Kunden eine Tüte vor der Tür zu überreichen und auf eine Anprobe und das Leuchten in ihren Augen zu verzichten – ohne zu sehen, ob es wirklich ihren Vorstellungen entspricht oder gegebnenfalls die Möglichkeit der Beratung oder Änderung zu haben. Ich möchte meine Arbeit nicht über Mails und das Koordinieren von Anzahlungen und Überweisungen abwickeln. Ich bin sehr dankbar über unseren vielfältigen Möglichkeiten in Kontakt zu treten, nutze diese, aber sehe auch deren Grenzen. Für mich liegt die Zukunft nicht im Onlinehandel auch wenn ich mich damit zu einem altmodischen individualisten Kautz deklariere. Bevor ich meinen Schmuck über’s Internet verkaufe fallen mir bestimmt noch viele andere kreative Möglichkeiten ein, wie der Schmuck zu ihnen kommt und sei mit e inem  Auto mit der Aufschrift GOLDSCHMIEDIN AUF RÄDERN anstatt eines Ladenlokal oder verrückte Lokations an denen ich meinen Schmuck präsentiere, wie auf einem Hochofenwerk oder unter Tage. Ich möchte die Verwunderung und das Lächeln in ihren Augen sehen, wenn ich mit meiner goldenen Werkstatt auf Rädern vorfahre. Es soll uns doch allen Spass machen und dieses wollen wir doch teilen, oder?

Oh je, nun habe ich mich hier aber ausgelassen. Vielen Dank an alle, die mir folgen konnten. Ich freue mich über Kommentare und Austausch.

Jedenfalls eine tolle Aktion. Ich habe mich sehr gefreut daran teilhaben zu dürfen.

 https://www.dortmund-vibes.de/

3 Zu-Fälle | viele Löffel

3 Zu-Fälle | viele Löffel

In der Zeit vom 15. bis 29. Juli 2021 bleibt die Galerie geschlossen.

Ich bin dann mal weg – aber eigentlich bin ich nur wie immer auf meinem Weg. Auf dem Weg zu neuen Inspirationen und fremden Ufern. Wie gerne lasse ich mich im Leben und bei meiner Arbeit vom Zufall leiten. Dinge und Menschen kommen und gehen. Und es ist gut, wenn man sich diesem Fluss hingeben kann. Eine wunderbare abenteuerliche Reise, wenn man offen ist für den Wandel.

1. Zufall:  Wie einige von Ihnen vielleicht bereits mitbekommen haben beschäftigen sich meine Gedanken und Hände schon lange mit dem Thema Löffel. Was im Privaten mit Geschenken für meinen Liebsten begann, hat Begehrlichkeiten bei den Kunden geweckt, die mir bei der Fertigung über die Schulter schauen konnten. Ich freue mich sehr über diese neuen Grenzgebiete – geht doch das Schmieden von Löffeln in einen dem Goldschmied zwar benachbarten aber doch fremden Beruf über, nämlich den des Silberschmiedens.
2. Zufall: Hinzu kam ein Kunde, der mir das mit handgravierten Monogrammen versehene Familienbesteck seiner Großeltern auf den Tisch legte. Er wollte es veräußern. Da schlug natürlich mein Herz für alte Dinge und Erinnerungen gleich höher. Ich wollte einige dieser Löffel retten und fing an mit ein paar von ihnen zu spielen. Fristeten diese einstigen Gebrauchsgegenstände ihr Dasein in Schubladen, erweckte ich sie wieder zu neuem Leben indem ich sie zu kleinen Individualisten machte. Es entstanden Ringe, Broschen, aber auch Seifenblasenpusteringe, kunstvolle Siebe und „Fastenlöffel“. Und wenn es eben geht wird alles verwertet. Nichts soll verloren gehen – „nur“ verwandelt.
3. Zufall:  Doch die Reise geht noch weiter und führt mich bald nach Zürich zu einer begnadeten Künstlerin, die eigentlich aus dem benachbarten Bocholt stammt. Verrückt. Meine liebe Freundin und Schmuckdesignerin/-Künstlerin Gabriele Hinze aus Berlin kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte an einem Löffelworkshop in Zürich teilzunehmen. Was für ein ZU-FALL. Natürlich habe ich Lust.
http://www.gabrielehinze.de
 
Nun werde ich am kommenden Wochenende in Zürich sein und an einen Löffel-Workshop von Simone ten Hompel teilnehmen und schauen wohin mich die Reise führt. Ich bin gespannt, was entstehen wird: ein Schutz-Löffel, ein Ufer-Löffel, ein Zufallslöffel oder ein Löffel der Freiheit.
https://www.tenhompel.com
https://www.tenhompel.com/the-story-beginns.html
Aber keine Sorgen meiner Leidenschaft zum Schmuck bleibe ich natürlich treu. Die Grenzen sind eh fließend.



Und denken Sie daran, was Mary Poppins einst gesagt hat:
„Oft genügt ein Löffel Zucker und was bitter ist, wird süß.“

PHOENIX-RING | mein Beitrag zu MANUFACTUM NRW 2021

PHOENIX-RING | mein Beitrag zu MANUFACTUM NRW 2021

Da ich den Staatspreis für den Bereich Schmuck im Jahr 2019 gewonnen habe, ist mir in den nächsten 10 Jahren lediglich eine Teilnahme aber keine Auszeichnung möglich. Es freut mich dennoch sehr, dass mein Beitrag für den Staatspreis Manufactum NRW 2021 von der Jury für die diesjährige Ausstellung angenommen wurde.
Die Ausstellung findet im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund statt. Die eingereichten Möbel, Skulpturen, Schmuck- und Kleidungsstücke sowie Wohnaccessoires werden dort vom 10. April bis zum 27. Juni 2021 gezeigt.

Die feierliche Eröffnung und Auszeichnung der Staatspreisträger erfolgt im Konzerthaus Dortmund durch Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, am 24. April 2021 von 11 bis ca. 13 Uhr. Anschließend wrd es einen Empfang im Museum für Kunst und Kulturgeschichte geben. Die persönliche Einladung erfolgt durch das Landesministerium.

Ich bin schon sehr gespannt auf die diesjährige Ausstellung, die immer einen lohnenden Einblick in eine Fülle kreativer Ideen und beeindruckender freier künstlerischer Arbeiten zeigt. Diese Bandbreite macht den Reiz der zeitgenössischen Ausstellung aus. Sie dient aber auch als Plattform für den Austausch mit anderen Kreativen.

Wer sich vorab informieren möchte:
https://m.facebook.com/staatspreismanufactum/
https://www.instagram.com/staatspreis.manufactum/

 

 

 

PHOENIX-RING | Kundenstimme | Von Industriekultur zur Kulturindustrie

PHOENIX-RING | Kundenstimme | Von Industriekultur zur Kulturindustrie

Es freut mich besonders, wenn sich verschiedene Themenbereiche meiner Schmuckprojekte vermischen, verbinden und dabei etwas ganz Neues entsteht.
Dieses passiert in manchen Fällen nicht unbedingt durch mich selbst, sondern wenn ein Kunde mit einem besonderen Anliegen auf mich zukommt. So wie in diesem Fall.  Claudia Fischer aus Essen fragte mich, ob ich aus dem Trauring ihrer Großmutter einen Phoenix-Ring machen könnte.

Warum nicht? Derartige Anfragen fordern mich als Künstlerin, Designerin und Goldschmiedin heraus. Sie sind spannend und reizen mich.  Meine Neugier als Künstlerin war also geweckt. Ich fragte mich, welche Intention Frau Fischer damit verfolgt. Wie kommt es zu dieser gedanklichen Verbindung? Welchen Bezug hat sie zum Ruhrgebiet, zum Hochofenwerk Phoenix West …? Welche Verbindung zu ihrer Großmutter? … und so weiter. Ich lerne so viel dabei … über die Menschen, ihre Wurzeln, ihr Wollen und ihr Tun – all das kann wieder in weitere Arbeiten einfließen. Die Handwerkerin in mir wurde gefordert, da ich bei diesem Auftrag meine entwickelte und erprobte Arbeitsweise wahrscheinlich nicht anwenden konnte. Normaler Weise fertige ich den Ring aus einer kreisrunden Scheibe aus Silber und Feingold (siehe Foto). Wie kann ich nun den Ring aus einem Trauring fertigen? Wird das Gold des Trauringes ausreichen?  Spannend.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Claudia Fischer bereit war, etwas über ihre Intention zu diesem Ring zu schreiben. Da sie selber kreativ tätig ist und mit ihren Arbeiten an einer Vielzahl von Märkten und Ausstellungen in geschichtsträchtigen Industriedenkmälern teilgenommen hat, spannt sich hier für sie der Bogen zu dem Phoenix-Ring.

„Second
life für einen Ring
Die alten Industrieanlagen des Ruhrgebietes sind mit der Region fest verknüpft und mittlerweile gute Beispiele für Strukturwandel und Transformation von Industriekultur zu Kulturindustrie.  Zwischen Tradition und Moderne haben sich unter anderem Kunst und Designausstellungen fest etabliert. Genau diese Tradition und Moderne, Erbstück und Fundstück, machen die Faszination dieser Skulptur an der Hand aus. So entstand aus dem alten Ehering meiner Großmutter, einem Eisenerzpellet und aktueller Goldschmiedekunst mein Phoenix Ring.“ Claudia Fischer

 

Wer mehr über die Arbeit von Claudia Fischer erfahren möchte:
http://filzpunkt.net/galerie