Good-vibes in meiner Galerie | „Brand new day“ von und mit Andreas Oertzen

Good-vibes in meiner Galerie | „Brand new day“ von und mit Andreas Oertzen

Am 09. Juni hatte ich besondere Gäste in meiner Galerie: einen Kameramann, einen Tontechniker und den Singer- und Songwriter Andreas Oertzen. Ein kleines privates Konzert, was per Radio, youtube und diverse andere Kanäle in die Welt hinaus ziehen sollte.

Dahinter stecke eine Initiative des Qualitätsroute Dortmund und des Cityrings Dortmund, die gemeinsam ein Aktionsbündnis »Gekauft in Dortmund« gegründet haben. Ziel ist es, den individuellen Einzelhandel in unserer Stadt zu repräsentieren. Es geht darum die Vielfalt der Läden, die Aufbruchsstimmung nach dem Logdown und jede Menge positive Energien zu verbreiten. Und was könnte diese besser transportieren als Musik.

In meinen Worten: Ich finde diese Aktion an ausgewählten realen Orten mit anloger positiver Musik setzt ein Zeichen gegenüber der digitalen, synthetischen Welt des Internets und zeigt unsere Lebendigkeit – Es nutzt das digitale Medium, aber der Kern ist ein von Menschen gestalteter Raum und vom menschlichem Geist entwickelte Idee, von Talent und Disziplin und Übung. Liedtexte entstehen im Geist eines Künstlers und seine Disziplin zum Erlernen eines Instruments führt zur Profession. Aber auch der Kameramann und Tontechniker muss sein Handwerk verstehen. Die Technik, das Internet sind nur die Vehikel, die uns dienen Qualität zu transportieren und zu teilen.

Ich möchte etwas ausholen und aus dem Nähkästchen der letzten Monate plaudern. Aus meinem Erleben des Lockdowns. Kritisch habe ich die Angebote und Diskussionen der letzten Monat beobachtet. Vielen Einzelhändlern, die unter dem Logdown litten wurden zahlreiche Fördertöpfe und Couchings zum Thema „Onlineshop“ angeboten. Das ist sicherlich gut und ich bin dankbar für diese Initaitive, weil sie manch einen ins Tun brachte und hoffentlich auch hilfreich war. Wer Lust verspürt, einen Onlineshop zu gestalten, der sollte dem unbedingt nachgehen. Grundsätzlich habe ich nichts gegen einen Onlineshop, aber wir sollten uns gut überlegen, was wir dort anbieten und wie wir es tun? Wir schielen zu oft nach Begriffen wie weltweit, immer-verfügbar, immer schneller, größer, allgemeingültig. etc.  Ich glaube, dass das die falsche Richtung ist. Ich beobachte bei mir und vielen meiner Mitmenschen ein Bedürfnis nach Überschaubarkeit, Ruhe, Klein, Lokal, Besonders, Einzigartig, nach persönlicher Ansprache und Beratung. Sicherlich ist dieses vom Produkt abhängig. Druckerpatronen und bereits erprobte Produkte kann man sicherlich gut im Internet bestellen. Ist ein Onlieshop wirklich eine Sicherheit im Logdown und was geschieht danach damit? Wer pflegt den Shop und kriegt es ebenso schnell und unkomplizeirt hin wie der Kunde mittlerweile von Amaon und co gewohnt ist? Kann ich dieses leisten im logdown und was ist danach, wenn die Geschäfte wieder öffnen?
Nun bin ich vielleicht diesbezüglich etwas altmodisch und sicherlich mit meinem einzigartigen, von mir gestalteten und handgefertigten Produkten in einer priviligierten Situation. Ich liebe den Kontakt und Austausch mit meinen Kunden viel zu sehr, als dass ich mir vorstellen könnte, darauf zu verzichten. Ich brauche diesen Austausch, um Schmuckstücke auf ihre Tauglichkeit und ihr Gefallen zu überprüfen und Neue gestalten zu können und weil es mir einfach eine Menge Spass bereitet.
Bei diesen Angeboten und in diesen Diskussion fehlte mir etwas. Da jonglierten Berater, die doch eigentlich helfen wollten mit Sätzen wie „Verpassen sie nicht den Zug …“ und schüren damit nur neue Ängste und Schuldgefühle, weil man doch angeblich die letzten Jahre „gepennt“ hat. Wo bleibt da das Wissen um die Stärken und Qualitäten des Einezlhandles? Diese gilt es herauszuarbeiten und  zu stärken. Wo bleibt da das Vertrauen und der Glaube in die Bedürfnisse aller Menschen nach einem sinnlichen Erleben? Gilt es nicht eher diese Qualitäten zu stärken anstatt das Heil in einem Onlineshop zu suchen? Kein Internetshop kann leisten, was wir bieten und kein Einzelhändler kann den Kampf gegen Giganten wie Amazon, Zalando etc aufnehmen, geschweige denn gewinnen, solange er ihnen nur nacheifert. Wir sollten Ruhe bewahren und mit Bedacht unsere Energien in andere Richtungen lenken und die Zeit des logdowns nutzten, neue Kontakte zu knüpfen, Produktangebote zu überprüfen und schauen wie wir uns von der breiten Masse abheben können – kreative und vielleicht auch einmal verrückte Lösungen entwickeln. Näher zusammenrutschen, Synergien bilden etc. Auf welchen Wegen kann individuelle Beratung stattfinden? Welcher individuelle Service stellt alle Paketboten in den Schatten? Wie kann ich mich spezialisieren? Der Aufbauen und das Bedürfnis nach persönlicher Bindungen besteht nicht nur auf Seiten des Händlers, sondern auch auf Seiten der Kunden. Kein Foto transportiert einen Duft, ein Gewicht, ein Gefühl, was bei Berührung entsteht. Das Foto eines Produkts im Internet verlangt mir eine hohe Vorstellungskraft ab, wie ich mich in Relation zu diesem Produkt wahrnehme, fühle und nach außen wirke. Den Kauf erprobter Produkte kann ich im Internet endlos wiederholen. Aber wo bleibt da mein Bedürfnis nach Neuem, nach Veränderung, nach Überraschung, dem neuen Erleben? Hat es nicht einen faden Beigeschmack und manchmal auch etwas Einsames dieses Kauferlebnis durch Aufreißen eines Pakets in den eigenen gewohnten vier Wänden zu erleben? Bestenfalls habe ich in dem Moment meinen Partner oder einen gute Freundin oder einen Freund dabei. Wir wollen Erleben und teilen, oder?
Es wiederstrebte mir während das Lockdowns Kunden eine Tüte vor der Tür zu überreichen und auf eine Anprobe und das Leuchten in ihren Augen zu verzichten – ohne zu sehen, ob es wirklich ihren Vorstellungen entspricht oder gegebnenfalls die Möglichkeit der Beratung oder Änderung zu haben. Ich möchte meine Arbeit nicht über Mails und das Koordinieren von Anzahlungen und Überweisungen abwickeln. Ich bin sehr dankbar über unseren vielfältigen Möglichkeiten in Kontakt zu treten, nutze diese, aber sehe auch deren Grenzen. Für mich liegt die Zukunft nicht im Onlinehandel auch wenn ich mich damit zu einem altmodischen individualisten Kautz deklariere. Bevor ich meinen Schmuck über’s Internet verkaufe fallen mir bestimmt noch viele andere kreative Möglichkeiten ein, wie der Schmuck zu ihnen kommt und sei mit e inem  Auto mit der Aufschrift GOLDSCHMIEDIN AUF RÄDERN anstatt eines Ladenlokal oder verrückte Lokations an denen ich meinen Schmuck präsentiere, wie auf einem Hochofenwerk oder unter Tage. Ich möchte die Verwunderung und das Lächeln in ihren Augen sehen, wenn ich mit meiner goldenen Werkstatt auf Rädern vorfahre. Es soll uns doch allen Spass machen und dieses wollen wir doch teilen, oder?

Oh je, nun habe ich mich hier aber ausgelassen. Vielen Dank an alle, die mir folgen konnten. Ich freue mich über Kommentare und Austausch.

Jedenfalls eine tolle Aktion. Ich habe mich sehr gefreut daran teilhaben zu dürfen.

 https://www.dortmund-vibes.de/

3 Zu-Fälle | viele Löffel

3 Zu-Fälle | viele Löffel

In der Zeit vom 15. bis 29. Juli 2021 bleibt die Galerie geschlossen.

Ich bin dann mal weg – aber eigentlich bin ich nur wie immer auf meinem Weg. Auf dem Weg zu neuen Inspirationen und fremden Ufern. Wie gerne lasse ich mich im Leben und bei meiner Arbeit vom Zufall leiten. Dinge und Menschen kommen und gehen. Und es ist gut, wenn man sich diesem Fluss hingeben kann. Eine wunderbare abenteuerliche Reise, wenn man offen ist für den Wandel.

1. Zufall:  Wie einige von Ihnen vielleicht bereits mitbekommen haben beschäftigen sich meine Gedanken und Hände schon lange mit dem Thema Löffel. Was im Privaten mit Geschenken für meinen Liebsten begann, hat Begehrlichkeiten bei den Kunden geweckt, die mir bei der Fertigung über die Schulter schauen konnten. Ich freue mich sehr über diese neuen Grenzgebiete – geht doch das Schmieden von Löffeln in einen dem Goldschmied zwar benachbarten aber doch fremden Beruf über, nämlich den des Silberschmiedens.
2. Zufall: Hinzu kam ein Kunde, der mir das mit handgravierten Monogrammen versehene Familienbesteck seiner Großeltern auf den Tisch legte. Er wollte es veräußern. Da schlug natürlich mein Herz für alte Dinge und Erinnerungen gleich höher. Ich wollte einige dieser Löffel retten und fing an mit ein paar von ihnen zu spielen. Fristeten diese einstigen Gebrauchsgegenstände ihr Dasein in Schubladen, erweckte ich sie wieder zu neuem Leben indem ich sie zu kleinen Individualisten machte. Es entstanden Ringe, Broschen, aber auch Seifenblasenpusteringe, kunstvolle Siebe und „Fastenlöffel“. Und wenn es eben geht wird alles verwertet. Nichts soll verloren gehen – „nur“ verwandelt.
3. Zufall:  Doch die Reise geht noch weiter und führt mich bald nach Zürich zu einer begnadeten Künstlerin, die eigentlich aus dem benachbarten Bocholt stammt. Verrückt. Meine liebe Freundin und Schmuckdesignerin/-Künstlerin Gabriele Hinze aus Berlin kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte an einem Löffelworkshop in Zürich teilzunehmen. Was für ein ZU-FALL. Natürlich habe ich Lust.
http://www.gabrielehinze.de
 
Nun werde ich am kommenden Wochenende in Zürich sein und an einen Löffel-Workshop von Simone ten Hompel teilnehmen und schauen wohin mich die Reise führt. Ich bin gespannt, was entstehen wird: ein Schutz-Löffel, ein Ufer-Löffel, ein Zufallslöffel oder ein Löffel der Freiheit.
https://www.tenhompel.com
https://www.tenhompel.com/the-story-beginns.html
Aber keine Sorgen meiner Leidenschaft zum Schmuck bleibe ich natürlich treu. Die Grenzen sind eh fließend.



Und denken Sie daran, was Mary Poppins einst gesagt hat:
„Oft genügt ein Löffel Zucker und was bitter ist, wird süß.“