Archäologie der Erinnerung

Archäologie der Erinnerung

Mein Arbeitsmaterial für die nächsten Wochen. Mein Beitrag zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Ein Haufen alter Trauringe liegt vor mir. Ich habe sie bei einem Goldankäufer erworben. Ein kleiner Teil stammt auch von Kunden. Ein edler Alltagsgegenstand, der biografisch aufgeladen ist und Geschichten erahnen lässt. Ein Zeuge vergangenen Lebens. Immer schon habe ich Spuren vergangenen Lebens gesucht und so fühlt sich dieses Projekt mehr als stimmig für mich an. Ich stehe ehrfürchtig vor 22 Ringen, denen ich neues Leben einhauchen möchte. Mich interessieren die Gravuren – bei den meisten kann man von Handgravuren ausgehen. Die älteste Gravur stammt von 1924, die jüngste von 1993. Was ist wohl aus den Paaren geworden? Warum haben die letzten Besitzer diese abgegeben, verkauft? Brauchten sie das Geld oder hatten sie keinen Bezug zu den Ringen? Bei dem Ring jüngeren Datums kann aber auch der Tod des Ehepartners oder eine Trennung zu Grunde liegen. Wir werden es nie erfahren.
In gewisser Weise habe ich sie vor dem Einschmelzen der totalen Anonymisierung bewahrt. Was bleibt und was wird, das werden wir sehen.

Ich fülle die Leere mit mir …

Ich fülle die Leere mit mir …

Ein weiterer Entwurf im Rahmen meiner Wettbewerbsarbeit zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/den-raum-weiten/

Mein Vater ist als ich 12 Jahren alt war gegangen. Was von ihm geblieben ist, ist der Schraubstock aus seinem Schuppen, in dem er so gerne gewerkelt hat. Dieser befindet sich nun in meiner Goldschmiedewerkstatt. Zudem besitze ich noch seinen Trauring – und natürlich ein paar Fotos und Erinnerungen.

Ich könnte den Ring meines Vaters nehmen und durchs Schmieden aufweiten bis ein Oval entsteht. Ich könnte den Rand einfeilen, so dass ein schmückender Rahmen entsteht. Ich wähle jedoch einen Ring aus Silber, der dem Trauring meines Vaters ähnlich sieht. Denn der original Trauring ist mir heilig und somit unantastbar.
Was fülle ich hinein? Beim Durchblättern alter Alben fällt mir ein Foto meines Vaters besonders auf. Ich fülle die Leere in dem Trauring-Rahmen damit. Meinen Vater entferne ich aus diesem Foto, denn er ist ja nicht mehr da. Beim ersten Tragen dieses Anhängers fällt mir auf, dass sich beim Ertasten dieses Schmuck-Anhängers meine eigenen Finger darin berühren. Und wenn ich mich damit im Spiegel betrachte, dann sehe ich mich in dieser Leerstelle. Ich sehe meinen Körper dahinter, meine Bluse.

Ein Ring … ein Gefäß …

Ein Ring … ein Gefäß …

Ein weiterer Entwurf im Rahmen meiner Wettbewerbsarbeit zum Staatspreis Manufactum NRW
https://www.andrea-schmidt-anders.de/staatspreis-manufactum-2019-eine-idee-entsteht/

Ein glattes Silberblech liegt vor mir. Der Plan ist einen Ring in dieses Blech abzuformen. Nachdem der Ring in Silber verewigt ist, will ich ihn weiten und als Rahmen für diese entstandene Form nutzen.
Häufig passiert es bei kreativen Prozessen, dass man an dem werdenden Stück etwas entdeckt, was gar nicht geplant war.
So auch hier: Meine Espressotasse stand neben dem Werkstück … und da entdeckte ich überraschender Weise den Tassenboden in dem Silberobjekt. Und mit Blick auf die Tasse tauchte wieder mein akuelles Lieblingszitat von Laotse auf, was mich während meiner Arbeit für den Staatspreis NRW begleitet:
– Die Leere in der Mitte macht das Gefäß. –

Steinreich …

Steinreich …

 Fortsetzung zu meinem Beirag zum Staatspreis Manufactum NRW
schmidt-anders.de/staatspreis-manufactum-2019-eine-idee-entsteht/

Unter einem Medaillon versteht man ein Schmuckstück, das aufklappbar ist. Es kann ein Foto oder ein anderes Andenken, wie z. B. eine Haarlocke, beinhalten. Aber auch Edelsteine aus alten Schmuckstücken können darin ihr neues zu Hause finden.

 

Unter einem Medaillon versteht man ein Schmuckstück, das aufklappbar ist. Es kann ein Foto oder ein anderes Andenken, wie z. B. eine Haarlocke, beinhalten. Aber auch Edelsteine aus alten Schmuckstücken können darin ihr neues zu Hause finden.